Außergewöhnliches Talent: Wer Lido Pimienta noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Auf „La Belezza“ holt sie zum musikalischen Rundumschlag aus und trifft voll ins Schwarze.
Unsere Welt – auch die musikalische – hat viel mehr zu bieten, als uns bewusst ist. Wir alle sind durch unseren Geburtsort, unsere Erziehung und andere Einflüsse wie die Medien, die wir konsumieren, nicht nur geprägt, sondern auch eingeengt. Eingeengt in unseren Ansichten und in unserem Geschmack. Wer dem entkommen und seinen Horizont erweitern will, sollte hin und wieder über den Tellerrand schauen. Oder hören. Lido Pimienta gibt uns die Gelegenheit dazu. Für europäische Hörgewohnheiten eher apart, verarbeitet die gebürtige Kolumbianerin in ihren Songs Einflüsse aus traditionellen südamerikanischen Genres wie Cumbia oder Bullerenge und mischt sie mit experimentellem Avantgarde-Pop. Das brachte ihr in der Vergangenheit unter anderem den Polaris Music Prize und eine Grammy-Nominierung ein. Mit ihrem vierten Album „La Belezza“ setzt die in Toronto lebende Singer-Songwriterin ihren Anspruch fort, sich stilistisch nicht festzulegen, sondern das eigene Potenzial ständig weiterzuentwickeln. So präsentiert sie uns nach dem eher von Elektro, Ambient und Chillout dominierten „Miss Colombia“ ein fulminantes Orchesteralbum, das den Begriff Weltmusik auf eine neue Ebene hebt. Gekonnt kombiniert Lido Pimienta Klänge aus den unterschiedlichsten Ecken und Enden der Erde und behandelt dabei wichtige Themen wie Unterdrückung oder die Universalität der Liebe – unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Die Stücke auf „La Belezza“ beeindrucken durch ihre innere und äußere Opulenz. Sowohl die Instrumentierungen als auch die Texte und der Gesang der 38-Jährigen tragen dazu bei, dass die Platte das Herz berührt und den Verstand öffnet. In Sachen Experimentierfreude und Raffinesse kann „La Belezza“ dabei durchaus mit Meisterwerken wie Björks „Utopia“ mithalten und sichert Lido Pimienta die Aufmerksamkeit eines anspruchsvollen, neugierigen und vor allem unerschrockenen Publikums.


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