Mit „Landscape from Memory“ hat Rival Consoles ein Electronica-Album voller Glanz und philosophischer Sequenzen geschaffen, das sich gleichermaßen zum Träumen und Reflektieren eignet.
Der Blick zurück ist eine essenzielle menschliche Fähigkeit. Im Gegensatz zu den meisten Lebewesen sind wir nämlich in der Lage, unsere Gedanken bewusst in verschiedene Richtungen zu lenken. Zwar mag dahinter letztlich auch ein automatischer Mechanismus stecken, der uns nicht wirklich verständlich ist und auf einer tieferen Ebene der Bedürfniserfüllung dient, doch erleben wir zumindest so etwas wie Kontrolle, wenn wir versuchen, eigenständig Bilder in unserem Verstand heraufzubeschwören. Zum Beispiel Bilder längst vergangener Tage. Für sein neuntes Album „Landscape from Memory“ hat sich Ryan Lee West, auch bekannt als Rival Consoles, mit dem auseinandergesetzt, was auf seinem Lebensweg bereits hinter ihm liegt. Seien es glückliche oder auch einfach nur prägende Momente. Er hat Fragmente aus seiner Kindheit und Jugend verarbeitet und auch Erinnerungen wie die, als er seine Frau kennenlernte, der er den gleichnamigen Track „Catherine“ widmete. All das inspirierte ihn, Brücken zu bauen und sein aktuelles kreatives Schaffen mit Ideen aus der Vergangenheit anzureichern. So basieren viele der Tracks auf alten Soundentwürfen, die West bei Streifzügen durch seine Festplatten wiederentdeckte. „Landscape from Memory“ ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Zwiegespräch mit sich selbst. Ein Austausch zwischen dem Ich von heute und dem Ich von damals, der die Zukunft ermöglicht. Dieser Ansatz durchdringt die Platte wie ein roter Faden, an dem man sich als Hörer*in nicht nur entlanghangeln kann, sondern der Schicht um Schicht mehr Authentizität und Verletzlichkeit freilegt. Und dafür braucht es keinerlei Worte. Die Instrumentalkompositionen, die West meist mithilfe analoger Synthesizer produziert, genügen, um verschiedenste Gefühlsnuancen erlebbar zu machen. Sobald man von diesen berührt und bewegt ist, fällt es einem leicht, nach Anknüpfungspunkten in der eigenen Biografie zu suchen. Genau das muss ein gutes Album können: Es muss einen in den Bann ziehen, aber nicht thematisch festnageln. Rival Consoles bietet den Zuhörer*innen eine vielschichtige Projektionsfläche. Die LP bedient verschiedenste rhythmische Gangarten aus Ambient, Chillout, Deep House, IDM, Dreampop sowie Techno und verlangt einem dadurch eine gewisse mentale Wendigkeit ab. Mal ruhig, mal stürmisch. Mal melancholisch, mal euphorisch.


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