REVIEW: Metric „Romanticize The Dive“

Rückbesinnung trifft Lust auf Entwicklung: „Romanticize The Dive“ von Metric ist sowohl eine künstlerische Reminiszenz als auch das Fundament für neue kreative Visionen.

Als Kinder sind wir oft auf die Zukunft fokussiert. Wir träumen jede Sekunde davon, wer wir werden wollen, und fiebern den verschiedensten Dingen entgegen. Dann gibt es eine Zeit als junge Erwachsene, in der wir im Hier und Jetzt verwurzelt zu sein scheinen, bevor sich der Blick dann Stück für Stück dem zuwendet, was gewesen ist. Folglich durchläuft die Band Metric – beziehungsweise im Besonderen Sängerin und Songwriterin Emily Haines und ihr Kollege Jimmy Shaw – mit „Romanticize The Dive“ einen ganz natürlichen, menschlichen Prozess. Die Platte fungiert als ein Portal zurück zum Anfang ihrer Karriere, als sie mit Metric durchstarteten. Von New York City aus eroberten sie die Welt, waren plötzlich omnipräsent und avancierten zu einer der gefragtesten Indie-Bands ihrer Generation. „Romanticize The Dive“ greift das Gefühl auf, das entsteht, wenn einem irgendwann vergilbte Polaroids von früher in die Hände fallen, man sie anschaut und es einem dabei warm ums Herz wird. „Als Musiker*innen ist es nicht leicht, vor allem am Anfang. Man fährt im Van herum, spielt in schäbigen Clubs, schläft in Hotelzimmern, die kaum mehr sind als eine Toilette. Es gibt so viele seltsame Situationen und trotzdem lebt man genau dafür“, erklärten uns Emily und Jimmy im Interview zur Album-Promotion fast sehnsüchtig. Diese Sehnsucht zieht sich wie ein roter Faden durch ihr zehntes Studioalbum, das in denselben Räumen entstand wie die beiden internationalen Durchbruchserfolgen „Fantasies“ (2009) und „Synthetica“ (2012): den Electric Lady Studios in Manhattan. Umgeben von der Magie alter Tage ist eine Platte entstanden, die den Geist ihrer Vorgänger atmet, sich textlich viel mit der Verklärung des eigenen Wegs in der Rückschau beschäftigt, gleichzeitig aber keinen Aufguss bewährter Erfolgsrezepte darstellt, sondern bewusst mit bekannten Elementen spielt, sie aber auch erweitert und mit mpodernen Einflüssen kombiniert. Es ist der Band gelungen, eine LP zu machen, die wie ein Full-Circle-Moment klingt, obwohl sie nur in Ansätzen einer ist. Denn die Tracks auf „Romanticize The Dive“ schubsen uns als Höre*:innen ganz bewusst in Richtung dessen, was noch kommen wird, statt uns auszubremsen und zum nostalgischen Stillstand zu zwingen. Getragen werden wir derweil von rockigen und elektrifizierten Klängen sowie einer ansteckenden Dynamik, wie man sie von allen bisherigen Alben aus der Schmiede Metrics gewohnt ist.


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