REVIEW: Bat For Lashes „The Bride“

Bat For Lashes by Natasha LondonVoreilig wollten wir die erste Jahreshälfte 2016 bereits zu einer erklären, der es an wirklichen musikalischen Highlights mangelt, da belehren uns PJ Harvey, Anohni, Radiohead und nun auch noch die Britin Bat For Lashes eines Besseren und sorgen kurz vor dem drohenden Sommerloch mit spektakulären Comebacks für Aufsehen.
Wenn man bereits drei von der Kritik hochgelobte Alben veröffentlicht hat, fragt man sich vielleicht irgendwann einmal, wie lange man noch auf jener Erfolgswelle reiten kann, bevor sie zu verebben droht. Nun wäre Natasha Khan, wie Bat For Lashes mit bürgerlichem Namen heißt, aber nicht Natasha Khan, wenn solcherlei Gedanken sie von ihrem Weg, Musik aus den Tiefen ihres Herzens machen zu wollen, abbringen könnten. Unbeirrt von allen externen Störfaktoren entspann sich in ihrem kreativen Kopf die Idee zu einem neuen Konzeptalbum, das nun in Form von „The Bride“ seine – wenngleich transzendent anmutende – Gestalt angenommen hat. Wie einst schon auf „Two Suns“ (2009) stellt Bat For Lashes dabei eine tragische Frauenfigur in das Zentrum der Geschehnisse und entspinnt um sie herum eine spannungsgeladene Geschichte. Den Anstoß für die Thematik von „The Bride“ lieferte dabei Khans Kurzfilm „I Do“, den sie im Rahmen des Filmprojekts „Madly“, als eine von sechs Episoden über die Tragik der Liebe, inszeniert hatte.

The BrideSpieluhrenartig eröffnet der ebenfalls mit „I Do“ betitelte Opener das dreizehn Tracks umfassende, vierte Studioalbum von Bat For Lashes. Entgegen dem wesentlich zugänglicheren Vorgänger „The Haunted Man“ (2012) setzt „The Bride“ auf eine Mischung aus spärlicher Dramatik, wie sie auch auf Bat For Lashes ersten beiden Alben zu finden war, und einer begleitenden düsteren Electronicakulisse. Songs wie „Honeymooining Alone“ oder „In God’s House“ bedienen sich in der Folge einer verstörend schönen Soundästhetik, in der sich der zerbrechliche Gesang von Natasha Khan vollends entfalten kann. Keimte nach dem Release von „The Haunted Man“ vielleicht noch die Befürchtung auf, Bat For Lashes könne sich mit ihrer nächsten Platte zu sehr dem Mainstream annähern und wie so viele vor ihr in die tückische Pop-Falle tappen, wischt „The Bride“ kurzerhand alle Sorgen vom Tisch. Vielmehr lassen sich Einflüsse entdecken, die vielleicht auf Khans Ausflug in das Projekt SEXWITCH, einer Kollaboration mit der Band TOY und Produzent Dan Carey, zurückgehen. War das gleichnamige Minialbum „SEXWITCH“ noch mit voodooartigen Gesängen und fiebrigen Trommelbeats ausstaffiert, lassen sich auch auf „The Bride“ teils beklemmende Impulse verorten („Never Forgive The Angles“). Als Metapher für die bittere Süße des Lebens, in deren Geschmack wir meist dann kommen, wenn wir es nicht erwarten, dürfte Bat For Lashes „The Bride“ in die Annalen der Musikgeschichte eingehen. In jedem Fall klingt das Album, mit seinem grauschwarzen Anstrich, noch lange nach dem Verstummen des letzten Akkords nach.

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